Illustration by Ellery Studio

Junge Interessierte und ESYS-Experten diskutierten über Möglichkeiten einer sozial gerechten CO₂-Bepreisung

05. April 2022

Das Prinzip der CO₂-Bepreisung scheint simpel: der Preis geht hoch, die Emissionen gehen runter. Doch nicht für alle sind klimaschonende Alternativen in der Wärmeversorgung, Mobilität oder bei Alltagsprodukten leicht zugänglich. Und: nicht jeder kann sie sich leisten. Wie kann also der CO₂-Preis sozial gerecht gestaltet werden? Diese Frage diskutierten junge Interessierte mit Experten in der ESYS-Veranstaltungsreihe „How to Energiewende?“.

Cyril Stephanos, Leiter der ESYS-Koordinierungsstelle, eröffnete das Meet the Expert-Format am 24. März mit einem Impulsvortrag zu Grundlagen der CO2-Bepreisung: Was ist der CO₂-Preis eigentlich genau? Welche Rolle spielt er für den Klimaschutz, warum ist er so wichtig? Und wie sollte er gestaltet werden? Ein hoher CO₂-Preis ist zentral für wirksamen Klimaschutz, betonte er. Doch die Akzeptanz der CO₂-Bepreisung stehe und falle mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit.

Möglichkeiten verschiedener Ausgleichsmodelle

Maximilian Kellner, Doktorand am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), setzte in seinem Impulsvortrag den Fokus auf die sozial gerechte Ausgestaltung des CO₂-Preises: „Klimaschutz soll nicht zu Kosten jener stattfinden, die sich das eigentlich nicht leisten können. Jede und jeder soll relativ zu den eigenen Möglichkeiten einen angemessenen Beitrag leisten.“ Die Idee und das Prinzip, emissionshohe Produkte und Leistungen teurer zu machen, bewertet er als gut. Jedoch gäbe es zwei zentrale Herausforderungen: die unterschiedliche finanzielle Belastung sowie begrenzte individuelle Möglichkeiten, auf den CO₂-Preis zu reagieren und auf klimafreundliche Alternativen umzusteigen. Wo und wie man wohnt, seien zum Beispiel Faktoren, die klimafreundliches Verhalten wesentlich mitbestimmen.

Aktuell werden verschieden Modelle diskutiert, die solche Erschwernisse finanziell ausgleichen können. Dazu zählen eine Senkung der Stromkosten, die die Verbraucher*innen entlasten würde, und eine direkte Rückzahlung eines Teils der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung. Die direkte Rückzahlung wird oft als „Klimageld“ bezeichnet. Das MCC hat die Effekte verschiedener Entlastungsmaßnahmen ausgerechnet und bietet mit dem CO₂-Preis-Rechner ein interaktives Online-Tool zur Berechnung finanzieller Auswirkungen von unterschiedlich hohen CO₂-Preisen.

Gesellschaftliche Akzeptanz als Erfolgsfaktor

Nach den Impulsvorträgen teilten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen auf und tauschten Eindrücke sowie erste Fragen aus. Im Fokus der gemeinsamen Abschlussdiskussion im großen Plenum stand die Frage, wie soziale Akzeptanz für die CO₂-Bepreisung geschaffen werden kann. Es zeigte sich, dass mangelnder Zuspruch in der Gesellschaft unter anderem daraus resultiert, dass das Thema vielschichtig und kompliziert ist. Oft sei nicht klar, wie sehr einen die Maßnahmen persönlich treffen und wie sie dem Klima konkret nützen. So sei laut Maximilian Kellner auch ein wichtiger Faktor, dass die getroffenen Maßnahmen für die Verbraucher*innen gut sichtbar sein müssen. Um Verständnis und Akzeptanz zu fördern, sei eine gute und verständliche Kommunikation von Maßnahmen von großer Bedeutung, ergänzte Cyril Stephanos.

Über die Reihe „How to Energiewende?“

Ziel der Webseminarreihe ist es, den Austausch zwischen jungen Interessierten und Energiewende-Expert*innen zu ermöglichen. Nach einer kurzen Einführung zum Thema der jeweiligen Veranstaltung beantworten die Fachleute Fragen des Publikums und teilen wissenschaftsbasierte Informationen zu teils kontroversen Themen, die anschließend im Plenum diskutiert werden.

Kontakt

  • Daniela Niethammer
  • stellvertretende Leitung der Koordinierungsstelle / Referentin Stakeholder-Dialoge
  • Energiesysteme der Zukunft