Die Zukunft des freiwilligen Kohlenstoffmarkts

29. November 2023

Der freiwillige Kohlenstoffmarkt wird viel kritisiert und war nicht zu Unrecht Thema bei der diesjährigen Klimakonferenz COP28. Aber wie funktioniert der Markt? Und warum ist er in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten? Das diskutierten Fachleute am 28. November während einer ESYS-Ergebnispräsentation.

Die Online-Veranstaltung stellte den jüngst erschienen ESYS-Impuls „Was ist der freiwillige Kohlenstoffmarkt – und welchen Beitrag leistet er für den Klimaschutz?“ in den Mittelpunkt. Die Publikation erklärt die Funktionsweise des Markts und konkretisiert, warum der Markt in seiner aktuellen Form nur sehr bedingt zum Klimaschutz beiträgt.

Angebot und Nachfrage funktionieren nicht optimal

Zu Beginn präsentierten Manfred Fischedick (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie) sowie Miriam Borgmann und Jörn Gierds (ESYS-Koordinierungsstelle) die zentralen Erkenntnisse der Publikation. Es zeigte sich deutlich, dass die Kritik am freiwilligen Kohlenstoffmarkt in den letzten Jahren unter anderem zwei Auswirkungen hatte: Die Angebote der Klimaprojekte haben sich verändert und die Nachfrage der Unternehmen ist leicht zurückgegangen.

Viele Klimaschutzprojekte würden weniger zum Klimaschutz beitragen als durch Emissionsgutschriften angegeben, da sie die notwendigen Qualitätskriterien nicht erfüllten, erklärte Jörn Gierds. Die Emissionsgutschriften werden von Klimaschutzprojekten generiert und von Unternehmen gekauft, um den Ausstoß eigener Treibhausgasemissionen zu kompensieren. Gleichzeitig könnten Firmen die Gutschriften nutzen, um ihre Klimaziele verhältnismäßig einfach zu erreichen, sagte Miriam Borgmann. Das könne dazu führen, dass Unternehmen weniger darauf achten, ihre eigenen Treibhausgasemissionen zu verringern.

Das braucht es: mehr Transparenz, Kooperation und Regulierung

Die anschließende Podiumsdiskussion eröffnete Perspektiven aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Auf dem digitalen Podium saßen Charlotte Streck (Climate Focus), Nicolas Kreibich (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie), Benja Faecks (Carbon Market Watch) und Gesa Schönberg (Allianz Foundation). Die Moderation übernahm Cyril Stephanos (ESYS-Koordinierungsstelle).

Die Panelisten waren sich in drei wesentlichen Aspekten einig: Es brauche mehr Transparenz darüber, wie die Emissionsgutschriften von den Klimaschutzprojekten generiert und von den Unternehmen genutzt werden. Zudem seien branchenübergreifende und internationale Kooperationen notwendig. Der freiwillige Kohlenstoffmarkt benötige außerdem klarere nationale und internationale Regulierungen, damit Unternehmen sicher in den Markt investieren könnten. Angesichts dieser und weiterer Herausforderungen ist die Zukunft des Markts ungewiss – ein Fazit, das sowohl die Diskutanten als auch das ESYS-Papier ziehen.

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