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ESYS-Konferenz 2023

16. Oktober 2023

2023 hat sich in Deutschland und der EU einiges getan in Puncto Energie und Klimaschutz: Net Zero Industry Act, Gebäudeenergiegesetz und die Fortschreibung der nationalen Wasserstoffstrategie setzen an wichtigen Stellschrauben an. Klar ist aber: die Energiewende bringt weitere Herausforderungen mit sich – und ESYS wird weiterhin an Lösungsmöglichkeiten dafür mitwirken. Mit Einblicken in die Arbeit der aktuellen und möglichen Themen für kommende Arbeitsgruppen wurden am 12. Oktober in Berlin auf der diesjährigen ESYS-Konferenz die Weichen für zukünftige Arbeit von ESYS gestellt.

In den vergangenen Monaten habe man sehen können, wie Kräfte freigesetzt und Entwicklungen beschleunigt würden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, erklärte der Vorsitzende des ESYS-Direktoriums Dirk Uwe Sauer (RWTH Aachen) zu Beginn der Konferenz. Oda Keppler, Unterabteilungsleiterin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), betonte in ihrem Impulsvortrag, die Politik müsse die richtigen Impulse geben und die Rahmenbedingungen setzen, damit Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen bei ihren Investitionsentscheidungen darauf vertrauen könnten, dass diese auch in einigen Jahren keine gravierenden wirtschaftlichen Nachteile mit sich brächten. Wichtig dafür seien verlässliche, unabhängige Partner in der Wissenschaft wie ESYS, die Erkenntnisse zielgruppengerecht aufbereiteten und so für die Öffentlichkeit sichtbar machten.

Grundlastkraftwerke und erneuerbare Energien  das Stromsystem der Zukunft

Zwei Themenblöcke gaben Einblick in die Projektarbeit der ESYS-Arbeitsgruppen. In der ersten Session stellte Christoph Kiefer (Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI) erste Zwischenergebnisse eines von ESYS beauftragen Gutachtens über die Rolle von grundlastfähigen Kraftwerken (d. h. Kraftwerke, die regelbar sind, aufgrund ihrer Kostenstruktur aber nur bei hoher Auslastung wirtschaftlich betreibbar sind) im zukünftigen europäischen Energiesystem vor und diskutierte sie mit den ESYS-Mitgliedern.

Wie lassen sich erneuerbare Energien effektiv und effizient in den Strommarkt integrieren? Und wie können ausreichende Reservekapazitäten gewährleistet werden? Diese Fragen standen im Zentrum der Präsentation von Justus Haucap (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf/DICE) über die im Mai 2023 publizierten Ergebnisse der AG „Strommarkt der Zukunft“.

Im Anschluss gab Marco Nicolosi (BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) einen Impuls zu Zukunftsperspektiven für das deutsche Stromsystem. Eine Diskussion zwischen Christoph Kiefer, Justus Haucap, Marco Nicolosi und Dirk Uwe Sauer sowie dem Publikum bildete den Abschluss der ersten Session.

Sanierungen und Suffizienzpotenziale – die Energiewende im Gebäudesektor

Melanie Jaeger-Erben (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senfteberg) eröffnete die zweite Session mit einer Einführung in die derzeit laufende Arbeit der ESYS-AG „Energiewende der Bebauten Umwelt“, die sie gemeinsam mit Andreas Wagner (Karlsruher Institut für Technologie) leitet. Sie betonte, dass Suffizienzpotenziale im Gebäudebereich nur ausgeschöpft werden könnten, wenn soziale Aspekte mitgedacht und soziale Teilhabe ermöglicht würden. Wichtig sei zudem, die Datenlage gerade bei Bestandsgebäuden mit besonders schlechtem energetischem Sanierungszustand („worst performing buildings“) zu verbessern.

Anke Weidlich (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg/INATECH) schloss daran an: Zentrale Punkte im Gebäudesektor seien die Erhöhung von Sanierungsraten, verbesserte Rahmenbedingungen für die Elektrifizierung und insbesondere Wärmepumpen sowie die Nutzung von Geo- und Solarthermie. Zudem sei es entscheidend, Wärmenetze auszubauen, zu dekarbonisieren und flexibel zu betreiben. Ihr Impuls basierte auf den im Februar 2023 veröffentlichten Ergebnissen der ESYS-AG „Szenarien für eine klimaneutrale integrierte Energieversorgung und Produktion“. Hans-Martin Henning (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE) ergänzte das Podium für die anschließende Diskussion.

Im letzten Teil der Konferenz nahmen die Mitglieder im Rahmen mehrerer Workshops neue Themen für ESYS in den Blick: aktive Trägerschaft der Energiewende, Kohlenstoff als Rohstoff, die Rolle von Speichern im künftigen Energiesystem sowie die mit der Digitalisierung einhergehenden Chancen und Risiken für die Energiewende. Die angeregten Gespräche zeigten einmal mehr, dass eine gesamtsystemische und interdisziplinäre Betrachtung entscheidend für den Erfolg der Energiewende sein wird.

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