acateach am Mittag - Sektorkopplung

Bei acatech am Mittag diskutierten Eberhard Umbach (acatech) und Karl-Josef Kuhn (Siemens) mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages über die Chancen der Sektorkopplung. © acatech/Niethammer

Politik muss jetzt die Weichen stellen für ein klimafreundliches Energiesystem 2050

19. April 2018

Deutschland wird seine Klimaziele 2020 voraussichtlich um 10 Prozent verfehlen. Die Politik muss jetzt umsteuern, um das Energiesystem zumindest langfristig klimafreundlich machen zu können. Welche Rolle spielt die Vernetzung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr? Welche Technologien und Steuerungselemente braucht die Energiewende, damit sich klimafreundliche Energieträger durchsetzen können? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung „acatech am Mittag“ am 18. April 2018 in Berlin. Eberhard Umbach (acatech) und Karl-Josef Kuhn (Siemens) diskutierten mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages über Potenziale der Sektorkopplung für Deutschland.

„Sektorkopplung muss heute beginnen, damit sie morgen erfolgreich ist“, betonte Eberhard Umbach (acatech Präsidium). In seinem Impulsvortrag  stellte er die Ergebnisse der Stellungnahme „Sektorkopplung“ vor, die eine  Arbeitsgruppe des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) erstellt hat. Der Co-Leiter der ESYS-Arbeitsgruppe erklärte, dass die Energieversorgung nur dann klimafreundlich werden könne, wenn alle Sektoren auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dafür müsste der politische Rahmen neu gesetzt werden – und zwar schnell. „Wir brauchen ein Umdenken in der Klimapolitik, und zwar sofort. Ein einheitlicher, wirksamer CO2-Preis kann der politische Hebel sein, damit die Energiewende als Ganzes gelingt. Wir müssen dabei aber unbedingt auch international denken. Andere Länder machen bereits vor, wie ein CO2-Preis funktioniert“, schilderte Umbach. Der Energiefachmann forderte, einen Mindest- und einen Höchstpreis für CO2 in Europa festzulegen. Im Gegenzug sollten bisherige Umlagen, Abgaben und Energiesteuern abgebaut oder komplett ersetzt werden. Denn kleinteilige Regelungen funktionieren nicht, so Umbach.

Karl-Josef Kuhn, Leiter des Technologienfelds „Power-2-X and Storage“ bei der Siemens AG, betonte die Notwendigkeit einer globalen Perspektive statt nationaler Insellösungen.  Er machte sich für neue Technologien zur Speicherung von Energie stark: „Soll die Energiewende gelingen, braucht es Speichertechnologien, die die Stromnetze vor Lastspitzen schützen.“ Der Fachmann erläuterte, wie in sonnen- und windreichen Regionen durch Photovoltaik und Windenergie erzeugter Strom in Gas umgewandelt und weltweit zum Einsatz gebracht werden kann. Außerdem gab er einen Ausblick auf Anwendungsfelder von morgen: Neben der Wasserstoffelektrolyse sieht er großes Potenzial in der Speicherung von Kohlenwasserstoffen und Ammoniak.

In der anschließenden Diskussion kamen die beiden Experten mit den Abgeordneten ins Gespräch. Bei der Frage, ob das Gasnetz in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle spielen werde oder gar teilweise gar abgebaut werden könne, waren sie sich einig: Gas werde die Energieversorgung der Zukunft auf lange Sicht prägen. Zunächst komme besonders Erdgas, langfristig aber vor allem Biogas und synthetisches Gas zum Einsatz. Beide Sprecher stimmten auch darin überein, dass Deutschland den weltweiten Umbau der Energiesysteme maßgeblich vorantreiben könne. „Die Dekarbonisierung ist eine große Chance für Deutschland. Deutschland könnte als Testfeld für neue, zukunftsweisende Technologien eine Vorreiterrolle übernehmen,“ erklärte Karl-Josef Kuhn.

acatech unterstützt parlamentarische und politische Gremien mit ihrer Expertise unter anderem in Anhörungen, Workshops und Fachgesprächen. Das Themenspektrum reicht dabei von technologischen Voraussetzungen für eine nachhaltige und sichere Energiewende über die Zukunft der industriellen Produktion bis hin zu den Auswirkungen der Digitalisierung. acatech bietet mit der Reihe „acatech am Mittag“ regelmäßig Dialoge für Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu aktuellen Themen aus Forschung und Innovation an.

Ansprechpartner


  • Dr. Cyril Stephanos
  • Stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle & Wissenschaftlicher Referent
  • Energiesysteme der Zukunft