In Japan, China und Südkorea informierte sich die 18-köpfige Expertengruppe über den Stand der internationalen Energieforschung. © acatech

Deutsche Expertengruppe erkundet Energieforschung und Schlüsseltechnologien in Asien

26. März 2018

Energieforschung, innovative Technologien und klimafreundliche Energieträger – wo steht Deutschland in diesen Bereichen verglichen mit Asien? Auf einer von acatech und dem BDI organisierten Reise nach China, Südkorea und Japan machten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien ein Bild vor Ort. Vom 18. bis 24. März 2018 besuchten die Energieexperten Ministerien, Forschungseinrichtungen und marktführende Unternehmen in den drei Ländern. Am Ende stand die Erkenntnis, dass die Energieforschung in Deutschland internationaler ausgerichtet sein sollte.

Deutschland konzentriert sich bei der Energiewende unter anderem auf eine wirtschaftliche Marktintegration von erneuerbaren Energien. In Asien dagegen spielen zumindest im Strombereich traditionelle Energieträger wie Kohle, Öl und Kernenergie für die Versorgungssicherheit eine größere Rolle. Über Forschungsansätze und Best-Practice-Beispiele aus China, Südkorea und Japan informierte sich eine 18-köpfige Expertengruppe aus Deutschland. Sie besuchte die dortigen Ministerien, Forschungseinrichtungen und marktführende Unternehmen. Auf der sechstägigen Reise gewannen die Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien einen Eindruck zu den wichtigsten Energiethemen in Asien. Eine zentrale Erkenntnis lautet: die Energieforschung sollte viel internationaler ausgerichtet werden. „Gerade bei den Themen Energieübertragung, Batterieproduktion und Emissionshandel sind Konzepte für internationale Kooperationen insbesondere mit Asien sinnvoll“, erklärt Delegationsleiter Reinhard Hüttl, Vizepräsident von acatech.

Ansprechpartner


  • Lydia Strutzberg
  • Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Energiesysteme der Zukunft

Chinas Energieforschung ist international ausgerichtet

Während des Aufenthalts in China spielte der strategische Ansatz der künftigen Energieforschung eine zentrale Rolle. Vertreterinnen und Vertreter des staatlichen Energy Research Institutes sowie des mit 1,8 Millionen Mitarbeitern weltweit zweitgrößten Unternehmens, State Grid Corporation of China, betonten die internationale Ausrichtung der eigenen Forschungsvorhaben. So wirbt China im Rahmen der Seidenstraßeninitiative für ein weltumspannendes Stromnetz, gewissermaßen ein „globales Energie-Internet“. Über Grundlagenforschung bei der Katalyse oder der Mikroelektroskopie informierten sich die Expertinnen und Experten im Dalian Institute of Chemical Physics, das zur Chinese Academy of Sciences gehört.

Innovative Batterieforschung in Südkorea

In Südkorea drehte sich die Reise um Technologien und Entwicklungsmöglichkeiten der Batterieforschung. In einem von der National Academy of Energy Korea organisierten Workshop tauschte sich die deutsche Delegation mit koreanischen Expertinnen und Experten über den jeweiligen Stand der Energiepolitik im Allgemeinen und Batterieforschung im Besonderen aus. Im Anschluss sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit zwei wichtigen Unternehmen auf dem Batteriemarkt: LG Chem und SK Innovation. Es zeigte sich, dass dort Interesse vorhanden ist, vermehrt auch in Europa zu produzieren. Einblicke in die Forschung zur Optimierung von Brennstoff- und Solarzellen gab das staatliche Korea Institute of Science and Technology (KIST).

Japan setzt auf Wasserstoffversorgung

Die Vision einer auf Wasserstoff basierenden Wirtschaft bestimmte die Gespräche in Japan. Im Mittelpunkt stand zunächst die Besichtigung der Mirai-Produktion des Autobauers Toyota. Mit dem Toyota Mirai hat das Unternehmen im Jahr 2014 ein Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeug auf den Markt gebracht, das erstmals in Serie produziert wurde. Am letzten Tag der Reise stellten die japanischen Großunternehmen Chiyoda und Kawasaki in der deutschen Botschaft in Tokio Konzepte für eine Wasserstoffversorgung vor. Sie planen, Erdgas aus Ländern wie Australien und Myanmar zu gewinnen, zu verschiffen und in Japan als Energiespeicher und Kraftstoff effizient zu nutzen. Schließlich erläuterten Vertreterinnen und Vertreter des Ministry of Technology and Innovation (METI) und der New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) die japanische Energiestrategie, die neben Wasserstoff auch die Kernfusion einschließt.

Langfristiger Austausch für den internationalen Vergleich

„Die Technologieforschung in Asien ist so vielfältig und die Konkurrenz so stark, dass Deutschland sich eine Festlegung auf nur einen Technologiebereich im internationalen Vergleich nicht leisten kann. Wir sollten bei den Themen Power-to-X, Clean Coal und Kernfusion nicht ins Hintertreffen geraten“, betont der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BDI, Holger Lösch. Um den Bezug zur hiesigen Forschung zu gewährleisten und Netzwerke vor Ort zu fördern, fanden in allen drei Ländern Veranstaltungen mit den jeweils ansässigen deutschen Botschaften statt.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kooperationsprojekt zwischen acatech und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wird von Holger Lösch (BDI) und Robert Schlögl (Max-Planck-Gesellschaft) geleitet. Es untersucht im Rahmen von Delegationsreisen, wie der Umbau der Energiesysteme in ausgewählten G20-Staaten erfolgt und welche Chancen sich daraus für Deutschland ergeben. Nach dem von Staatssekretär Georg Schütte (BMBF) geleiteten USA-Besuch im Frühjahr 2017 war dies die zweite Delegationsreise im Rahmen des Projekts. Die Ergebnisse werden systematisch aufgearbeitet und auf einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt.

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