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Wie stellen wir die Weichen für die urbane Mobilität?

13. Januar 2017

Der Verkehrssektor verursacht fast ein Fünftel der CO2-Emissionen Deutschlands. Trotz sparsamerer Motoren konnten seine Emissionen seit 1990 nicht reduziert werden. Um den Verkehr klima- und umweltfreundlicher zu machen, muss das urbane Mobilitätssystem umgebaut werden. Aber können wir schon heute festlegen, wie wir uns künftig fortbewegen werden? Welche Technologien und Infrastrukturen benötigen wir, und wen müssen wir in die Planung einbeziehen? Diesen Fragen widmete sich der fünfte Trialog der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform und des Akademienprojekts ESYS, der am 12. Januar in Berlin stattfand.

Mit heutigen Entscheidungen bestimmen wir, wie sich der städtische Verkehr in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird. Viele Pfade werden wir nur schwer verlassen können, wenn wir uns einmal festgelegt haben. Entscheiden wir uns beispielsweise dafür, flächendeckend Ladesäulen für Elektrofahrzeuge aufzubauen, ist es kompliziert, diese Infrastruktur später für alternative Antriebstechnologien zu nutzen.

Welche Strategien dabei helfen können, schon heute die urbane Mobilität von morgen zu gestalten, diskutierten mehr als 60 Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft beim Trialog im Berliner Allianz Forum. Unter dem Motto „Weichenstellungen für die urbane Mobilität – Wie treffen wir die richtigen Entscheidungen?“ loteten sie aus, welche Mobilitätskonzepte für den Stadtverkehr der Zukunft geeignet sind und welche gesellschaftlichen Gruppen den Wandel mitgestalten sollten.

Ansprechpartner


Eröffnet wurde die Veranstaltung von Gesine Schwan, Präsidentin der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform. Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie, der die ESYS-Arbeitsgruppe zum Thema „Pfadabhängigkeiten“ leitet, übernahm die inhaltliche Einführung. Er unterstrich, dass Mobilitätssysteme einerseits schnell umgebaut werden müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Andererseits „treffen wir dabei Entscheidungen unter unsicheren Bedingungen und laufen Gefahr, Chancen zu verpassen oder uns auf Wege festzulegen, die wir später möglicherweise bereuen werden.“ Die Arbeitsgruppe untersucht, welche Entwicklungsmöglichkeiten und Strategien es gibt, um mit diesen Abhängigkeiten umzugehen.

Weitere Impulse gaben Ulrich Benterbusch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Anja Hänel vom Verkehrsclub Deutschland e.V. und Nicolas Iwan von H2 Mobility. In anschließenden Workshops vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Trialogs konkrete Fragestellungen. Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Frage, welche Akteure die urbane Mobilität der Zukunft mitgestalten sollten. Sie regte dazu an, verschiedene Beteiligungsformate anzuwenden: Dazu zählen Bürgerkonferenzen oder Reallabore, in denen innovative Mobilitätskonzepte getestet und evaluiert werden. Weil die Verkehrswende auch ein anderes Mobilitätsverhalten erfordere, sei es wichtig, Bürgerinnen und Bürger sowie Akteure aus Politik und Wirtschaft beteiligen zu können.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Kooperation zwischen der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform und dem Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ stärkt die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In den Trialogen tauschen sich ESYS-Fachleute mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wirtschaft und organisierten Zivilgesellschaft aus. Die Veranstaltungen werden dazu genutzt, neue Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und Fragestellungen im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu schärfen.

Beteiligte Institutionen

Die HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform unterstützt durch ihre Trialoge den kommunikativen Austausch und die Verständigung zwischen den verschiedenen Stakeholdergruppen Politik, Wirtschaft und organisierte Zivilgesellschaft mit Medien und Wissenschaft zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen. Durch die Auswertung dieser Multi-Stakeholder-Treffen werden Grundkonsense deutlich, die die Formulierung gemeinwohlorientierter Politik vorbereiten. Eine Trialog-Veranstaltung dauert einen gesamten Arbeitstag, um neben den Impulsvorträgen ausreichend Zeit für die Diskussion zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Stakeholdergruppen zu gewährleisten.

Mit der Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) geben acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften Impulse für die Debatte über Herausforderungen und Chancen der Energiewende in Deutschland. Im Akademienprojekt erarbeiten rund 100 Fachleute aus Wissenschaft und Forschung Handlungsoptionen zur Umsetzung einer sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Energieversorgung. Die Federführung des Projekts liegt bei acatech.

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